Thanksgiving: von Trends, Traditionen und Truthähnen

9.11.17 |

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Mein Wissen über Thanksgiving war ehrlich gesagt bis anhin sehr beschränkt. Lange Zeit hatte ich sogar das Gefühl, dass Halloween und Thanksgiving zusammen gehören (vermutlich wegen den vielen Kürbissen). Das Wenige, was ich wusste, hatte ich nebenbei in amerikanischen Serien und Filmen aufgeschnappt.

Dort habe ich folgendes gelernt: Thanksgiving ist ein wichtiger Feiertag in den USA, wo Familie und Freunde zusammen kommen, gemeinsam (zuviel) essen und das Wochenende miteinander verbringen. Egal wie entfernt man vom Elternhaus wohnt – um Mam und Dad glücklich zu machen, steigt man als braver Sohn oder Tochter an diesem Tag auch mal in den Flieger und düst von der Ost- an die Westküste. Das Dinner spielt eine grosse Rolle, insbesondere der Truthahn, auch genannt «DER VOGEL». Er ist der eigentliche Star des Nachtessens, um ihn herum wird der ganze Anlass geplant. In den Serien geht auch meistens irgendetwas schief mit dem Ding (zu gross für den Backofen, zu wenig oder misslungene Füllung, in der Mitte noch gefroren, wenn alle Gäste schon da sind etc.) oder es gibt Streit, wer ihn tranchieren darf. In den meisten Fällen verläuft das Essen aber friedlich und am Ende reichen sich alle fröhlich die prallgefüllten Schüsseln und Platten herum, lachen und schlemmen bis ihnen der Hosenbund platzt. In diesen Momenten bin ich immer ein bisschen eifersüchtig – zu gern würd ich auch am Tisch sitzen und die ganzen Köstlichkeiten probieren!!

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Ein bisschen Geschichte
Da Thanksgiving bald ansteht, dachte ich, ich tue mal etwas gegen mein Halbwissen und informier mich mal richtig. Herausgefunden habe ich dies: Der Thanksgiving Day ist ein staatlicher Feiertag in den Vereinigten Staaten, der jeweils am vierten Donnerstag im November gefeiert wird. Dieses Jahr fällt er auf den 23. November. Thanksgiving heisst auf Deutsch so etwas wie Danksagung. Er ist das wichtigste Familienfest im Jahr und der Startpunkt zur Holiday Season, die bis Weihnachten bzw. Silvester dauert. Damit man ausgiebig Zeit mit seinen Liebsten verbringen kann, machen die meisten Amerikaner am Tag nach Thanksgiving die Brücke. An diesem Freitag, am sogenannten Black Friday, gewährt der Einzelhandel zum Teil extrem hohe Rabatte, weshalb sich viele bereits an diesem Tag mit Weihnachtsgeschenken eindecken.

Über den Ursprung der Thanksgiving-Feierlichkeiten ist man sich bis heute nicht ganz einig. Es gibt unterschiedliche Ernetdankfeste, die man als Anfang bezeichnen könnte. Insbesondere während der Entdecker- und Kolonialzeit gab es einige geschichtsträchtige Feste. Die am meisten zitierte Geschichte ist allerdings diejenige der Pilgerväter, welche bei Plymouth Rock in Massachuetts landeten und im Herbst 1621 mit den dort heimischen Wanpanoag-Indianern ein dreitägiges Erntedankfest feierten. Ohne deren Hilfe hätten sie nämlich den ersten Winter nach ihrer Ankunft nicht überlebt. Als Dank wurde im darauffolgenden Herbst dieses Fest gefeiert. Sowohl die Amerikaner als auch die Kanadier führen ihr heutiges Thanksgiving auf dieses Fest zurück, obwohl es bis heute offenbar geschichtlich nicht 100% belegt ist. Die Kanadier feiern übrigens bereits am zweiten Montag im Oktober.

Die Danksagung spielt bis heute eine grosse Rolle. Die Bräuche variieren natürlich stark von Familie zu Familie. Oft wird zu Beginn des grossen Essens ein Gebet gesprochen oder jeder sagt der Reihe nach, wofür er oder sie besonders dankbar war/ist. Dieser Tag wird oft auch zum Anlass genommen Unstimmigkeiten und Streitigkeiten zwischen Familienmitgliedern zu beheben.

Was gitts?
Zum traditionellen Thanksgiving-Essen gibt es Gerichte, die es schon beim aller ersten Thanksgiving-Fest gegeben haben soll: einen gebratenen und gefüllten Truthahn (Roasted Turkey), dazu eine reichhaltige Auswahl an Beilagen wie Süsskartoffeln, Kürbis, grüne Erbsen und Mais, dazu Cranberry-Sauce und diverse Desserts unter anderem klassisch eine Apfel-, Kürbis- oder Pecan-Pie. Yammi!! Besonders in diesem Jahr ist mir aufgefallen, wie viele Bloggers sich schon jetzt mit dem Thanksgiving-Menu befassen. Klar, so ein Anlass muss geplant sein und wer kulinarisch interessiert ist, will natürlich auch etwas Besonderes auf den Tisch zaubern. Spannend, aber nicht verwunderlich, ist, dass sich, obwohl das Fest so traditionell ist, auch hier die aktuellen Food-Trends widerspiegeln. Beispielsweise werden signifikant mehr Beilagen gekocht, die dem Truthahn mittlerweile schon fast den Rang ablaufen. Woher das kommt ist klar: man will seinen healthy Lifestyle auch an Thinksgiving nicht komplett über den Haufen werfen. Wer durchs Jahr auf Carbs, Gluten oder Fleisch verzichtet, der will sich an diesem Fest nicht unbedingt damit «vergiften» (insbesondere nicht, wenn man eine ernst zu nehmende Allergie oder Unverträglichkeit hat). Darum sind u.a. Randen, Rosen- und Blumenkohl die letzten Jahre immer mehr in den Fokus geraten. Anstatt Nudeln gibt’s Zucchini-Spaghetti, statt Kartoffelstampf Blumenkohl-Püree und im Kürbis-Pie-Teig ist statt Weizenmehl Nussmehl. Zudem wird auch immer häufiger, zusätzlich zum Vogel, ein richtiges Vegi-Hauptgericht gekocht. Ein anderer Trend scheint der Pinterest-Effekt zu sein. Viele Köche holen sich dort nicht nur Ideen in Sachen Rezepte, sondern auch Anrichte-Tipps. So lässt sich erklären, warum plötzlich überall zum Dessert die gleichen Pie-Dekorationen oder Apfelrosen auftauchen. Ein dritter Trend ist die Vermischung mit nicht-traditionellen, exotischen Lebensmitteln, neuen Zubereitungsarten oder Serviertechniken. Zum Beispiel werden vermehrt asiatische Zutaten wie Miso-Paste, Soja- oder Fischsauce verwendet – man denke an einen mit Teriyaki glasierten Truthahn oder eine Cranberry-Sauce mit Ingwer. Auch beliebt ist es, dem ganzen Dinner einen neuen Twist zu geben, indem man zB. auf gesunde, mediterrane Gerichte mit Mezze, grillierten Auberginen und mit Kreuzkümmel gewürzten Rüebli setzt oder mit geröstetem Mais, schwarzem Bohnensalat und Guacamole eher in Richtung Latin geht.

Truthahn

Truthahn

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Apfel-Pekannuss-Kürbis Pie

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Sauerteig-Roggenbrot mit Cranberrys und Schokolade

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Pumpkin Pie

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Cranberry Curd Tarts

Nachdem ich mich so eingehend mit dem Thanksgiving Day befasst habe, bin ich schon etwas traurig, dass es diesen Brauch bei uns nicht gibt. Aber wer weiss? Von Halloween hatte vor ein paar Jahren auch noch niemand einen Schimmer. Dasselbe gilt für den Black Friday. Mittlerweile nehmen ihn in der Schweiz diverse Warenhäuser zum Anlass, gezielte Aktionen durchzuführen. Kann gut sein, dass auch Thanksgiving immer mehr zum Thema wird und Foodies und Kochbegeisterte dazu motiviert, im Herbst ein grosses Essen für Freunde und Familie zu organisieren – mitsamt Truthand und Pecan-Pie. Ich jedenfalls fände das cool!

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Sarah

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